Piraten protestieren gegen Laptopverbot

Die Fotos werden zur freien Verwendung zur Verfügung gestellt.

Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat heute nach kontroverser Debatte einem umstrittenen Geschäftsordnungsänderungsantrag aller Fraktionen außer der PIRATEN zugestimmt, der nach unserem Verständnis ein Verbot mobiler Internettechnik in Landtagssitzungen und eine fast komplette Geheimhaltung der Beratungen der Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat vorsieht. Gegen beide Aspekte wollen wir vor das Landesverfassungsgericht ziehen. Wir haben gegen das rückständige und technikfeindliche Laptopverbot protestiert, indem wir Schreibmaschinen vor uns aufgestellt haben.

Auf unseren Antrag hat eine namentliche Abstimmung stattgefunden. Alle Abgeordneten außer den PIRATEN und Rasmus Andresen (Grüne, Enthaltung) haben für Laptopverbot und Geheimrat gestimmt.

Den Inhalt des beschlossenen Geschäftsordnungsänderungsantrags haben wir hier zusammengefasst; der Wortlaut kann hier nachgelesen werden.

Der Landtagspräsident hat nach der Entscheidung erklärt, dass das Laptopverbot diese Woche noch keine Anwendung finden solle, damit sich alle Abgeordneten darauf einstellen könnten. Von anderer Seite haben wir das Signal bekommen, dass im Ältestenrat noch einmal der Versuch einer Einigung unternommen werden soll (siehe auch den dapd-Bericht). Ich würde das sehr begrüßen und mich freuen, wenn eine einvernehmliche Lösung ohne Technik- und Twitterverbot gefunden werden könnte. Wenn die geballte Kritik an den Plänen diese Woche diese Gesprächsbereitschaft geweckt hat, dann hat sich unser Vorgehen in diesem Punkt gelohnt. Es bleibt aber das Problem der mangelnden Transparenz des Schleswig-Holsteinischen Landtags, welche die übrigen Fraktionen zu verantworten haben.

PS: Ministerpräsident Torsten Albig hat in der namentlichen Abstimmung zunächst gegen die fatale Geschäftsordnungsänderung gestimmt. Näheres über das Wirrwarr schreibt der NDR.

27 Kommentare zu “Piraten protestieren gegen Laptopverbot”

  1. Sanníe sagt:

    Ich finds ja auch falsch, aber
    > nach unserem Verständnis ein Verbot mobiler Internettechnik
    ist es wohl kaum, wenn Tabltes und Smartphones erlaubt sind.

    (Es ist übrigens genau diese unredliche Art der Argumentation, die mich von den Etablierten zu Euch getrieben hat.)

    • Patrick Breyer sagt:

      Hallo,

      der neuen Geschäftsordnung zufolge ist die Nutzung mobiler Internettechnik nur nach Maßgabe einer Verständigung im Ältestenrat zulässig. Da die übrigen Fraktionen ihre Vorstellung gegen uns durchdrücken wollten und keine Verständigung gesucht haben, ist zurzeit die Nutzung jeglicher mobiler Internettechnik unzulässig, auch von Smartphones und Tablet-PCs.

  2. Muukuuhh sagt:

    Ihr seid super! Deshalb wähle ich euch! :)

  3. Harald sagt:

    ich bin Pirat und für ein Laptopverbot. WARUM?
    Man sollte seine Konzentration bei der Sache haben und nicht im Twitter oder Facebook verweilen während wichtige Dinge zu erörtern sind.
    Es ist genauso unhöflich wie; wenn ich mit meiner Frau Essen gehe und ich mich gleichzeitig im Netz aufhalte.
    Ich erwarte von meinen Abgeordneten das sie voll bei der Sache sind um mir dann alles Wesentliche berichten zu können und nicht mit der Antwort kommen: Du kannst es ja bei Twitter nachlesen!
    Außerdem ist es störend wenn jeder auf seiner Tastatur rumklappert!

    • Joe40 sagt:

      Ich bin auch Pirat und für ein Laptopverbot bei den Sitzungen.
      Man sollte sich auf das wesentliche konzentrieren und nicht auf Twitter oder Facebook.
      Völlig unverstänlich was manche Piraten für absurde Ideen haben.

      • Jürgen Hey sagt:

        Hallo,
        ich bin Abgeordneter der Region Hannover in NDS. Wir bekommen zur Zeit EDV Technik ausgehändigt, damit wir während der Sitzungen besser Arbeiten können. Auch brauchen wir dann nicht mehr die Aktenordner durch die Gegend schleppen und können von einen Ausschuss in den nächsten gehen.

        Das ist Grade für kleine Fraktionen sehr gut. Durch die Notizfunktion können wir unter anderen auch uns Notizen an die einzelnen Vorlagen hängen und wissen was wir vor ein paar Tagen zu diesen Thema uns gedacht haben.

        Bei uns wird die EDV eingeführt um Papier zu sparen. Diese kosten sind nicht so ohne. Durch die Einführung der EDV spart die Region sehr viel Geld. Bisher bekommt jeder Abgeordnete alle Vorlagen und das Büro nochmal als Papier. Nach der Umstellung fällt das zum großen Teil weg.

        Bis dann
        LG von Jürgen Hey

    • piratenproll sagt:

      Dir ist aber schon klar, dass man während der Sitzung Unterlagen braucht, und dass es Leute gibt, die diese lieber auf Knopfdruck abrufbar auf ihrem Laptop bereit haben, statt sich durch stapelweise Papier zu wälzen, oder?

    • IceF sagt:

      Und nicht nur das. Es nimmt auch die Möglichkeit, sich ggf. anderweitig im Inet zu informieren oder sich mit denen Austauschen zu können, die mehr Ahnung von einer Sache haben, als man selbst und man so leichter merkt, wer da vorne Müll verzapft.

      Ist nur meine Meinung, bildet euch eure Eigene, habt ja schließlich was im Kopf dazu.

    • Hannes sagt:

      Gefällt mir :)

    • Patrick Breyer sagt:

      Hallo Harald,

      dass die Etablierten weiterhin ihre Tablets nutzen wollen, zeigt, dass das Laptopverbot nichts mit Aufmerksamkeit während der Sitzungen zu tun hat. Wenn ein Abgeordneter sich ablenken will, tut er das durch ein Gespräch, durch Zeitunglesen oder durch hinausgehen, dazu braucht man keinen Laptop.

      Akustisch hört man die Laptops kaum, das ist nicht das Problem, wie viele andere Landtage zeigen.

  4. chrisinrw sagt:

    Lustig ist ja, dass sich die Piraten in SH über die mangelnde Transparenz im Landtag SH (Ältestenrat) zu recht aufregen, die Kolleginnen und Kollegen in NRW die Basis vom Livestream abklemmen und jetzt verschiedene Stufe der Transparenz einführen wollen.

  5. Robert(REG) sagt:

    Eine Lösung wäre evtl. ein Diktiergerät mit SD Karten Slot. 32 GB im MP3 Format recorded kriegt auch der Bundestag nicht voll.

    Andererseits: Ich stimme dem Vorredner zu: Gleich zum Verbot aller internetfähigen Geräte (auch Handys), sich dann mal richtig auf den Job konzentrieren und evtl. ab und an handschriftliche Notizen machen und dann später drüber bloggen.

    • Patrick Breyer sagt:

      Hallo Robert,

      den Abgeordneten verbieten zu wollen, im Plenum auch mal etwas nachzusehen, würde nur den Plenarsaal leeren. Man kann niemanden zur Aufmerksamkeit zu langatmigen, abgelesenen, schlecht vorgetragenen Reden zwingen. Drei Tage lang konzentriert jeder einzelnen Rede zuzuhören, würde auch deine Fähigkeiten übersteigen.

  6. Thomas sagt:

    Für oder wider?
    Das würde ich davon abhängig machen, ob diese Änderung vorrangig dazu dient der Piratenfraktions eins auszuwischen, oder ob durch die neue Fraktion und den Geräuschen der Laptops wirklich eine Störung bzw. Konzentrationsprobleme entstehen.
    Dass man von einem Abgeordneten erwartet, dass er bei einer Sitzung voll bei der Sache ist ist eigentlich selbstverständlich und ist eine Erwartung die sicher auch von anderen Abgeordneten nicht immer erfüllt wird.

    • iZicke sagt:

      Nunja, sind viele ja nicht, sie unterhalten sich lieber. Wer den #15piraten folgt, wird da immer wieder interessante Berichte lesen können. Und auch hier ist es ähnlich, auch wenn weniger darüber getwittert wird.

  7. ThomasL sagt:

    Die Frage ist doch, wo man die Grenze zieht.
    Ob ich mich auf Facebook “herumtreibe”, oder Zeitung lese, spielt ja wohl keine Rolle.
    Ich persönlich halte mich beim Mitschreiben per Tastatur für schneller, als mit der Hand.

    Allerdings finde ich auch “Live-Übertragungen” aus dem Landtag per Twitter o.ä. auch nicht unbedingt richtig – eine umfassende, unabhängige Berichterstattung ist auf diesem Weg nicht gegeben, und lenkt den/die betroffenen Abgeordneten von Ihrer eigentlichen Arbeit ab.

    Laptops & Co: ja, bitte!

    Zum Thema “Geheime Ältestenratssituzngen” fallen mir nur 3 Worte ein: Geht gar nicht!

  8. Fanthos sagt:

    Amüsant, wie sich einige hier erdreisten den Abgeordneten vorschreiben zu wollen, wie sie ihre Arbeit zu erledigen haben. Würde mich wundern, wenn auch nur einer von diesen Kommentatoren Ahnung von parlamentarischer Arbeit hat.

  9. Thomas SE sagt:

    … geht Hr. Stegner zukünftig häufiger aufs Klo?
    Bitte Verhalten bei Plenarsitzungen beobachten….

  10. [...] Piratenfraktion im Landtag Schleswig-Holsteins: [...]

  11. [...] Party representatives in the Schleswig-Holstein (northernmost state of Germany) state parliament did something quite unusual: Breaking out typewriters in plenary. Angelika Beer with typewriter, photo provided by the Pirate [...]

  12. [...] Diese Meldung und das Photo dazu machten gestern meinen Abend: Der Schleswig-Holsteinische Landtag hat heute nach kontroverser Debatte einem umstrittenen Geschäftsordnungsänderungsantrag (PDF) aller Fraktionen außer der PIRATEN zugestimmt, der nach unserem Verständnis ein Verbot mobiler Internettechnik in Landtagssitzungen und eine fast komplette Geheimhaltung der Beratungen der Fraktionsvorsitzenden im Ältestenrat vorsieht. Gegen beide Aspekte wollen wir vor das Landesverfassungsgericht ziehen. Wir haben gegen das rückständige und technikfeindliche Laptopverbot protestiert, indem wir Schreibmaschinen vor uns aufgestellt haben. [...]

  13. [...] Schreibmaschinen vor uns aufgestellt, eine inzwischen international bekannte Protestaktion (siehe Blogbeitrag und Fotodokumentation, siehe Echo aus USA, UK, RUS, FR, ES, NL, FI). Unser Widerstand hatte [...]

  14. [...] fraktion.piratenpartei-sh.de/piraten-protestieren-gegen-laptopverbot/ [...]

  15. [...] Pressemitteilung der SH-Piraten: Piraten protestieren gegen Laptopverbot [...]

  16. fingerprint sagt:

    So cool…

    The information mentioned in the article are some of the best available…

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