Etablierte Fraktionen grenzen transparente PIRATEN aus

Die PIRATEN im Kieler Landtag werden nicht mehr zu fraktionsübergreifenden Treffen der Parlamentarischen Geschäftsführer (PGF) eingeladen, weil sie sich weigern, deren Absprachen geheim zu halten. Seit einigen Wochen tagen die Parlamentarischen Geschäftsführer ohne die PIRATEN. Auf Nachfrage wurde ihnen mitgeteilt, dass ihre zukünftige Teilnahme davon abhänge, ob sie Vertraulichkeit zusichern.

Die Runden der PGFs sind Herzstück der parlamentarischen Vorbereitungsarbeit, in denen Absprachen zwischen den Fraktionen getroffen werden. “Dass wir aus den Runden rausgeflogen sind, hat man uns intransparent verheimlicht”, so der Parlamentarische Geschäftsführer Torge Schmidt. “Wir haben gestern davon nur durch Zufall erfahren. Wir sind durchaus gesprächsbereit. Es hat nur keiner das Gespräch mit uns gesucht. So stellen wir uns nicht den viel propagierten neuen parlamentarischen Stil des Aufeinanderzugehens vor.”

Als einzige Fraktion berichten die PIRATEN in öffentlicher Sitzung über politische Absprachen mit anderen Fraktionen in PGF-Runden und Ältestenrat, damit Bürger und Piraten den politischen Entscheidungsprozess nachvollziehen können. Nicht veröffentlicht werden Beschäftigtendaten und Staatsgeheimnisse. “Unsere bisherige Veröffentlichungspraxis belegt, dass wir verantwortungsvoll und sachlich berichten. Wir praktizieren Transparenz zur Ermöglichung von Basisdemokratie, nicht um anderen Politikern zu schaden”, erklärt der Piratenabgeordnete Patrick Breyer zu der Befürchtung, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei nur unter dem Siegel der Verschwiegenheit möglich.

Ein Beispiel für die intransparente Arbeit der anderen PGFs ist die Beschlussvorlage über Fraktionsmittel[1], die erst wenige Stunden vor Verabschiedung im Finanzausschuss veröffentlicht wurde. So hatte die Öffentlichkeit keine Möglichkeit, diesen Vorschlag in Ruhe zu prüfen und ggf. zu kritisieren. Die PIRATEN haben eine Änderung der Geschäftsordnung beantragt, wonach über Abgeordnetendiäten und Fraktionsmittel künftig frühestens zwei Wochen nach Veröffentlichung des Entwurfs entschieden werden darf[2][3]. Außerdem hat die Fraktion heute den Wissenschaftlichen Dienst beauftragt zu prüfen, ob der Finanzausschuss über die Fraktionsmittel überhaupt im Alleingang entscheiden kann.

Weiterführende Links:

[1] Umdruck 18/39: Beschlussvorschlag über die Aufteilung der in der 18. Wahlperiode zu veranschlagenden Fraktionsmittel.
[2] Piraten legen Vorschläge für transparenten Landtag vor.
[3] Antrag der Fraktion der PIRATEN Änderung der Geschäftsordnung des Schleswig-Holsteinischen Landtages.

28 Kommentare zu “Etablierte Fraktionen grenzen transparente PIRATEN aus”

  1. [...] Piratenpartei Neues aus schleswig-holstein http://fraktion.piratenpartei-sh.de/…e-piraten-aus/ [...]

    • naabpirat sagt:

      Na da heißt es durchhalten. Irgendetwas haben die Piraten in SH richtig gemacht, was die etablierten noch nicht verstanden haben. Weiter so Piraten-SH.

      Grüße aus Bayern.

  2. Ich gratuliere. Wenn die Etablierten Euch nach so kurzer Zeit schon meiden, habt Ihr einiges richtig gemacht. :-)

  3. Lutz Martiny sagt:

    Durchhalten und Verhalten der anderen Parteien öffentlich machen!!

  4. Stephan Eisvogel sagt:

    “Ätzend, diese Piraten!” So sindse, die Anderen. Ich hoffe es gelingt euch, diese Aussperrung mit einem möglichst teuren politischen Preis zu kennzeichnen. Den die Anderen möglichst bald prompt zu bezahlen haben. Gibt doch sicher auch hinter Hamburg so ein Verfassungsgericht. ;-) Lernen durch Schmerz, weiter so! Bindet ihnen was ans Bein.

  5. Sebastian sagt:

    das hat hier in SLH sowie so nichts mehr mit Demokratie und Politik für die Menschen zu tun und auch auf Bundesebene nicht mehr, es wird Zeit das der Bannanenladen mal langsam auffliegt, warum lassen wir uns diese ganze Korruption und Vetternwirtschaft gefallen ???

  6. Miki sagt:

    Nicht nachgeben! Ich schlage vor, die Piratenpartei teilt den Mitgliedern der etablierten Parteien eine Kopie des Grundgesetzes aus. Im Landtag.

  7. otto60 sagt:

    …ja, aller Anfang ist schwer! Das sind eben die Mühen der Ebene. Haltet also durch + viel Erfolg damit.

  8. Rich sagt:

    Tja, so gehts der Linken im Bundestag auch… Gewöhnt Euch schon mal dran ;)

    • Mike sagt:

      Sprechen Sie aus persönlicher Erfahrung oder woher kommt die Resignation?

    • Jacky Neiwel sagt:

      “Die Linke” hat aber auch schon ne Legislatierperiode durchgetrollt! Mittlerweile fangen die an mitzuarbeiten, weil ihnen auffällt, dass trollen weniger Wähler bringt, aber es gibt bei denen teilweise schon n Grund wenn die niemand mehr will. Die Grünen sind allerdings meist mindestens genauso destruktiv…

  9. 0+1 sagt:

    Mir kommt die Beschreibung aus studentenpolitischer Arbeit sehr bekannt vor: “Spiel nach unseren Regeln und wir lassen dich ein wenig mitspielen!”. – Ein Dilemma da man hier entweder gegen das System kämpfen kann dafür aber konkrete politische Erfolge auf der Strecke bleiben. Oder man gibt seine Ideale auf und macht das beste aus der Situation…

    WENN die Piraten die Politik verändern wollen und nicht nur als weiterer Akteur mitspielen und einzelne Themen voranbringen wollen, dann bin ich überzeugt, dass der erste Ansatz – den auch ihr hier verfolgt – der einzig richtige ist.
    Allerdings habt ihr vermutlich erst die ersten Angriffe der anderen zu spüren bekommen. Der Gegenwind dürfte noch zunehmen. Passt auf, dass ihr euch – insb. auch emotional – nicht zu sehr aufreibt. Und bleibt weiter an den Sachthemen und sucht die Gespräche mit den anderen Parteien. Denn oftmals sind auch diese hinter der Fassade bei weitem nicht so homogen, wie man denkt.

    Ganz großes Dank an euch für die Prinzipientreue. Dafür hätte ich euch gewählt wenn ich in SH wohnen würde;-)

  10. Kia sagt:

    Großartig! Eurer Fraktion zuzusehen, macht gewaltigen Spaß! Ich raubmordkopiere hin und wieder Ideen ;)
    Weiter so!

  11. Turboheizer sagt:

    Eigentlich gehört es sich das Abgeordnete weder in den Landtagen noch im Bundestag Kontakt zu Lobbyisten haben. Lobbyistentum gehört unter Strafandrohung verboten.
    Wenn der Umgang mit Lobbyisten verboten wird erübrigt sich die Geheimhaltung von Absprachen der Politiker. Jede Geheimniskrämerei ist nur Deckmantel für die Arbeit der Lobbyisten.
    Ich denke mal hier gehört es sich das die Etablierten Parteien untersucht werden ob Ihre Taten vom Grundgesetz gedeckt sind.Wenn nicht, umgehende Klagen vor den Verfassungsorganen. Es sieht eigentlich so aus als ob die etablierten Parten mit Ihrer Wahl denken das Ihnen kein Ungemach aus der Opposition oder aus der Bevölkerung mehr droht. Hier sollte das Grundgesetz mit allen Mitteln zur Duchführung gelangen.

    • Mike sagt:

      …der Ruf nach der Sage vom “Parlamentarischen Imperativ”, der ja soweit ich weiß, im Grundgesetz verankert ist.

      Deutschland war noch nie eine Demokratie im Sinne des GG, weil der Einfluss der Welt-Lobby auf Deutschland nach dem 2. Weltkrieg nie nachgelassen hat. Das Märchen, dass Bürger über Wahlen Einfluss auf das politische Geschehen eines Staates nehmen können, kommt direkt aus Hollywood, Baujahr 1945, wahrscheinlich noch selbst von Walt Disney geschrieben und bis heute von den Menschen – weltweit – ungeprüft als unumstößliches Wahrzeichen “echter Demokratie” gefeiert.

    • @bjoernMaHe sagt:

      Naja, man sollte sich schon mit dem Begriff “Lobby” auseinandersetzen und dann daraus Schlussfolgerungen ziehen. Lobbyisten sind nämlich nicht nur die pösen pösen Menschen von Auto- und Pharmafirmen und Co sondern Lobbyisten sind auch Greenpeace, Lobbycontrol, Gewerkschaften, der Sozialverband VdK, Behindertenverbände, der BUND und andere Organisationen dieser Art. Ja selbst jeder lokale Musik- oder Sportverein versucht seine Interessen (Lobby = Interessengruppe) durchzusetzen oder zumindest in die Diskussion einzubringen.

      Das nur mal als Meta-Anteil an dieser Stelle. Frei nach dem Motto: Selber denken!

  12. Jungs Richtig so. Kurs halten. Ihr macht alles richtig. Der Wähler wird es honorieren. Prinzipientreu und standhaft ohne jemanden zu schaden. Fein. Fein Ihr das macht da im Norden. Beispielhaft.

  13. Es ist gut und richtig, seinen Prinzipien treu zu bleiben! Denkt immer dran, weiterhin produktiv und gesprächsoffen zu bleiben – bietet den anderen Parteien z.B. Alternativtreffen an, ladet Abweichler der anderen Fraktionen zum Dialog auf… Fragt an, was die Parteien brauchen, um einzelne Treffen öffentlich zu machen!

    irgendwann ist die kritische Masse erreicht, und dann sind die Geheimtreffen auf friedlichem Wege entwertet..

  14. Transparenz will dort keiner ! Nur die Piraten. Aber das war doch vorhersehbar. Oder nicht ?
    Schöner Parlamentarismus, in dem man gewählte Volksvertreter der Kommunikation fernhält, um ….

  15. Maik sagt:

    Gute Arbeit. Bleibt weiter transparent. Die alten Parteien scheinen überfordert zu sein mit den Piraten :-)
    Piratengrüsse aus dem wilden Süden

  16. [...] uns nicht den viel propagierten neuen parlamentarischen Stil des Aufeinanderzugehens vor”, kommentiert Torge Schmidt. Patrick Breyer kritisiert die Haltung der intransparenten PGF-Runde: “Unsere bisherige [...]

  17. Harry sagt:

    Leute, ich finde euch richtig klasse. So stelle ich mir eine Piratenfraktion im Landtag vor – zu den Grundsätzen stehen und etwas bewegen. Gruß aus NRW.

  18. GÜ-NN1 sagt:

    Moin, Moin Leudde,

    es ist der einzige Weg den Piraten gehen können.
    Es ist richtig bei diesem für den Bürger untransparenten Geklüngel nicht mit zumachen.
    Die anderen Parlamentarischen Geschäftsführer müssen sich auf die neue auf echte Teilhabe ausgerichtete Partei einstellen.

    MfG
    Günni

  19. markus sagt:

    Weiter so Piraten!

    Nur wenn man sich dem aktuellen System versklavt kann man korrumpiert werden.

    Die alten etablierten Parteien haben uns ALLE verraten – nicht nur die Sozialdemokraten. Auch die Grünen, die plötzlich für den Angriffskrieg waren, oder in China AKWs mitgebaut hatten, obwohl sie angeblich dagegen waren. Oder Herr Fischer, der nun ein bezahlter Lobbyist ist.

    Wo Steuergeld fliesst DARF ES KEINE GEHEIMHALTUNGSKLAUSELN GEBEN.

    Viel Glück an die Piraten – haltet durch.

  20. Oppi sagt:

    Weiter so !

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